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Jubiläums-Interview: 30 Jahre Verkehrswacht Cottbus

02. 02. 2021

Hinweis: Dieses Interview erschien in der September-Ausgabe 2020 vom "hermann - das Magazin aus Cottbus"

 

Das Jahr 1990 spielt heute, 30 Jahre später, eine zentrale Rolle im Jahreskalender eines ganzen Landes. 30 Jahre Wiedervereinigung wird am 3. Oktober gefeiert, am 1. Juli jährte sich die Währungsreform zum 30. Mal. Alles Begleiterscheinungen der „Wende“. In diesen stürmischen Zeiten herrschte auch in Cottbus Aufbruchstimmung. Sieben engagierte Menschen schrieben sich damals die Sicherheit im Straßenverkehr auf ihre Fahnen und gründeten die Verkehrswacht Cottbus. Heute, 30 Jahre später, ist der Verein breit aufgestellt und ein kompetenter Dienstleister in Sachen Verkehrssicherheit für alle Altersklassen. Grund genug für den Hermann, dem Führungsduo der Verkehrswächter auf den Zahn zu fühlen.

Das sind die Gesprächspartner:

Jörg Schnapke (rechts, 57): Der Unternehmer aus Cottbus ist seit 2005 Vorsitzender der Cottbuser Verkehrswacht. Manuel Helbig (40): Der amtierende Fachbereichsleiter für Ordnung & Sicherheit der Stadt Cottbus ist ebenfalls seit 2005 als Geschäftsführer tätig und bildet mit Jörg Schnapke das organisatorische Führungsduo der Cottbuser Verkehrswacht.

 

In wenigen Tagen, am 10. August, starten in Cottbus 837 Erstklässler ins Abenteuer Schulleben. Ganz Cottbus sieht dann wieder rot. Auch damit haben Sie zu tun.

J.S.: Wohl jeder Verkehrsteilnehmer in unserer Stadt wird rund um den jährlichen Schulstart die fast schon berühmten roten Mützen gesehen haben, die wir gemeinsam mit der DEKRA an alle Erstklässler verteilen. Sie sind Signal, aufmerksam zu sein und Rücksicht auf die Kinder zu nehmen, die häufig keine Erfahrungen im Straßenverkehr haben.

M.H: Schulanfänger sind Verkehrsanfänger – deswegen werden wir auch wieder gelbe Spannbänder aufhängen, die Autofahrer auf den Schulanfang aufmerksam machen. Dazu kommen unsere Schüler- und Elternlotsen sowie Schulbusbegleiter zum Einsatz. In diesem Umfang und über diesen Zeitraum ist die Aktion einmalig in Brandenburg.

Im Jahre 1990 waren Sie auch schneller als das Land.

J.S.: Am 22. Oktober1990 kam es zur Gründung durch sieben Engagierte, denen das Thema Verkehrssicherheit am Herzen lag. Die waren echte Pioniere, denn es war nicht nur die erste Verkehrswacht in der Region. Selbst die Landesverkehrswacht gründete sich erst ein Jahr später.

Mit welchen Aufgaben hat man sich damals befasst?

M.H.: Kernthemen, damals wie heute, waren die Schulwegsicherung und die Radfahrausbildung.

J.S.: Nicht zu vergessen die unermüdliche Aufbauarbeit, auf die wir uns noch heute verlassen können. Hätten damals die Herren Wolfgang Bialas, Jürgen Skalske und Edgar Schwarz gemeinsam mit engagierten Lehrern, Polizisten und Mitarbeitern der Stadtverwaltung ihre Ideen nicht in die Tat umgesetzt - wir wären heute nicht da wo wir sind.

Und wo stehen Sie aktuell?

J.S.: Im Laufe der letzten Jahre haben wir Stück für Stück immer neue Aufgaben hinzubekommen, die wir heute dank unserer vielen engagierten Mitglieder alles im Ehrenamt bewältigen. Zudem dürfen wir stolz sein, dass wir in vielen Dingen behaupten können: Die Vorreiterrolle im Land steht uns auch noch nach 30 Jahren bestens.

Wie drückt sich diese Vorreiterrolle aus?

M.H.: Technisch gesehen gehören wir mit unseren zahlreichen Einsatz-, Test- und Schulungsgeräten zur mit am besten ausgestatteten Verkehrswacht im ganzen Land. Als Beispiel ist hier etwa unser Überschlagsimulator zu nennen, den wir seit 2017 im Einsatz haben. Zudem verfügen wir seit 2019 über einen Gurtschlitten und planen für 2020 die Anschaffung eines E-Scooter-Simulators. Und nicht zuletzt in Sachen Schülerlotsen gehören wir seit Jahren zur Spitze im Land, nicht nur was die Anzahl der Lotsen angeht, immerhin 93. Auch bei Landes- und Bundesmeisterschaften landen sie regelmäßig weit vorn.

J.S.: Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang auch die großartige und in dieser Art beispiellose Zusammenarbeit mit dem Jobcenter, welches uns Personal zur Verfügung stellt, etwa für die Schulwegsicherung oder die Projektarbeit in unserem Verkehrsgarten.

Dieser wurde 1999 in der Spremberger Vorstadt eröffnet. Mit Sicherheit ein echtes Highlight in der Vereinschronik. Gibt es weitere Punkte, auf die Sie besonders stolz sind?

M.H.: Da waren einerseits die vielen Landesmeistertitel und die oft sehr guten Ergebnisse bei den Bundesmeisterschaften der Schülerlotsen. So ist es 1993 gelungen, einen Bundessieg nach Cottbus zu holen und erst letztes Jahr sicherte sich Floriane Herfurth den Silberplatz bei den Bundesmeisterschaften. Für die erfolgreiche Arbeit mit den Lotsen wurde unser Mitglied Barbara Jentsch als „Cottbuserin des Jahres 2015“ ausgezeichnet. Ein toller Lohn für diese engagierte Arbeit.

In Cottbus und der Region kämpfen viele Vereine mit der Überalterung. Wie sieht es da bei Ihnen aus?

J.S.: Um langfristig unsere Schülerlotsen an die Verkehrswacht zu binden, haben wir vor zwei Jahren die Jugendverkehrswacht Cottbus als Unterabteilung ins Leben gerufen. Aktuell sind hier neun Mitglieder aktiv. Das ist ein kleiner Baustein, der perspektivisch aber nicht reicht.

Wie attraktiv ist die Arbeit als Verkehrswächter?

M.H.: Wie gesagt sind wir technisch top ausgestattet und man kann sich selber viel Wissen aneignen, was beispielsweise auch im eigenen Alltag helfen kann. Wer dann noch ein wenig positiv verrückt genug ist, seine Freizeit für seine Mitmenschen zu opfern, ist herzlich bei uns willkommen.

So wie ihre aktuell 56 Mitglieder.

M.H.: Genau, ihnen gebührt ein großer Dank für die hervorragende Arbeit in den letzten Jahren. Immerhin sind rund 50 Prozent von ihnen bereits seit den 90er-Jahren dabei.

J.S.: Das Engagement kann man gar nicht genug würdigen. Erwähnen möchte ich aber an dieser Stelle auch unsere vielen Partner und Sponsoren, die unsere Arbeit erst möglich machen. Allen voran die Stadt Cottbus.

Und wie feiern Sie?

J.S.: Im August war ein großes Fest mit allen Mitgliedern, Freunden, Partnern und Sponsoren geplant, was nun aufgrund von Corona leider auf nächstes Jahr verschoben wird.

Zum Abschluss dürfen Sie sich was für die Zukunft wünschen…

M.H.: Ich wünsche mir, dass wir auch in den nächsten 30 Jahren ein erfolgreiches und engagiertes Team von Engagierten sind, die sich für die Sicherheit auf den Straßen von Cottbus und Umgebung einsetzen.

J.S.: Ich wünsche mir nichts, ich definiere lieber eine Aufgabe für die Zukunft. Wir werden künftig gemeinsam alles dafür tun, dass auf dem Gelände unseres Verkehrsgartens ein neuer, moderner und zweckmäßiger Ersatzneubau entstehen wird. Dann sind wir für die nächsten Jahre bestens ausgerüstet.

Danke für das Gespräch!

 

Bild zur Meldung: Die Verkehrswacht Cottbus e.V. feierte 2020 ihr 30-jähriges Bestehen. Foto: pixabay / doanme